Musical nach Bernard Shaws "Pygmalion" und dem Film von Gabriel Pascal
Buch und Liedtexte von Alan Jay Lerner Musik von Frederick Loewe
Dass Männer immer wieder gern versuchen, sich die ideale Frau nach ihren Vorstellungen zu formen, um Konflikten von vorn herein aus dem Weg zu gehen - einen solchen Vorgang finden wir schon in der Antike, wo sich der Bildhauer Pygmalion eine Frauenstatue zum Verlieben erschafft, der er von Aphrodite schließlich Leben einhauchen lässt .
In Shaws Komödie "Pygmalion" und im Musical liegt der Fall allerdings ein wenig anders:
Wenn sich der Phonetikprofessor Henry Higgins die Mühe macht, das Blumenmädchen Eliza in eine Dame der Gesellschaft zu verwandeln, geht es ihm lediglich um ein berufliches Experiment: Kann man Menschen niederer Herkunft mit "Rinnsteinjargon" allein durch Sprachschulung aus der "Gosse" befreien und sie der blasierten englischen Oberschicht unterjubeln?
Dass Higgins im antiquierten britischen Klassendenken ebenso befangen ist, wie die meisten seiner Zeitgenossen, wird dem Professor erst bewusst, als ihn seine - nach monatelangem Drill erfolgreiche - Schülerin Eliza unerwartet verlässt. Der Schock bricht seinen Gefühlspanzer auf.
Und dass er für sein misshandeltes Forschungsobjekt plötzlich Gefühle entwickelt, lässt natürlich auch Eliza nicht kalt.
Das Musical, das - anders als bei Shaw - ein Happy End andeutet, bricht nach seiner Uraufführung 1956 in New York sowohl in Amerika als auch in Europa sämtliche kommerziellen Rekorde und gehört noch heute - zeitlos durch Thema wie Musik - zu den beliebtesten Werken seiner Gattung.